Bitter, süß und Dolce Vita


Bella Italia! Einem Füllhorn gleich mutet Italiens Vorrat an kulinarischen Schätzen an. Ob auf den Tellern oder in den Gläsern. Ossobuco und Negroni, Burrata und Spritz, Panettone und Vin Santo. Eine unendliche Vielzahl autochthoner Rebsorten und fruchtbare Böden für Kräuter, Früchte, Nüsse und Zutaten, die im Drink genauso trefflich munden wie in einem Gericht. Eine eindrucksvolle Tradition vermählt sich gerade heute mit einem getränketechnischen Aufbruch in ein neues Zeitalter.

Immer dieses Italien. Sehnsuchtsort für all jene, die insbesondere nördlich der Alpen von der ewigen Stadt träumten, Spuren der alten Römer verfolgen mochten, mit den Gondolieri in die Kanäle Venedigs glitten und dem Sirenengesang von Rudi Schurickes Capri-Fischern folgten, als er die Wirtschaftswundergeneration verführte mit: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt …“ Mit gelassener Grandezza lassen wir den Komponisten Guiseppe Verdi entgegnen: „Du kannst gern das Universum haben, wenn ich dafür Italien bekomme.“

Nicht immer lässt sich auf hohe musikalische Kunst verweisen. So zwangen gnadenlose Fußball-Funktionäre früher die deutsche Nationalmannschaft, vor jeder Weltmeisterschaft ein Lied aufzunehmen. Und so mühten sich Lothar Matthäus, Guido Buchwald und Andreas Brehme 1990 mit den Zeilen: „Wir sind schon auf dem Brenner / Wir brennen schon darauf / Wir sind schon auf dem Brenner / Ja da kommt Freude auf“. So albern dieses Liedgut anmutet, so enthält es für viele Mittel- und Nordeuropäer eine Portion Wahrheit. Denn irgendwie schmeckte der Kaffee besser, sobald man Italien erreichte. Ein Tomatensalat konnte urplötzlich als Genuss angesehen werden, und Carbonara hatte auf einmal nichts mehr mit Sahne zu tun.
Aperitivo Lebensart
Und auch die Trinkgewohnheiten sind gänzlich andere. Ein Negroni am Nachmittag, ein Wein zum Mittagessen. Dafür bloß kein Cappuccino nach dem Abendessen. Neben der unterschiedlichen Prägung der Weinländer im Süden Europas und den Bierländern im Norden nehmen Soziologen heute weitere Unterscheidungen vor. Sie differenzieren insbesondere zwischen alkoholpermissiven Kulturen und alkoholdeterminierten Kulturen. Bei Ersteren ist Alkohol ein Alltagsgetränk. Kleinere Mengen Alkohol begleiten ganz selbstverständlich den Tag und die Mahlzeiten. Gern werden bei dieser These die mediterranen Länder genannt – wie Frankreich, Spanien, Griechenland und eben Italien.

Bei den alkoholdeterminierten Kulturen hingegen benötigt die Gesellschaft meist einen spezifischen Anlass für den Alkoholkonsum. Zumindest vor Eintritt der Dunkelheit. Sei es ein Jahrestag, ein Einstand, Vereinsversammlung, Feiertag, Geburtstag oder Beerdigung. Ein Zustand von Betrunkenheit und Rausch wird hingenommen, gar akzeptiert. Bei dieser Gruppe verweisen die Forscher auf Länder wie Deutschland, Österreich, die Schweiz oder die Niederlande.

In der aktuellen Barwelt stellt man allein bei den Öffnungszeiten die signifikanten Unterschiede fest. In Zürich, Wien oder München füllen sich die Bars gern bereits um 17 Uhr. Nach der Arbeit, vor dem Essen oder Theater ist ein Drink willkommen, und man folgt der mediterranen Aperitivo-Kultur. In Berlin oder Hamburg schließen zahlreiche Bars erst um 20 Uhr ihre Pforten auf, und frühe Konzepte des „Daydrinking“ verströmen förmlich den Hauch des Verruchten.

 

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