Der Chef

Thomas Feld: Motel One Köln-Waidmarkt, Köln

Warum bist du Barkeeper geworden?

Nach meiner Ausbildung bin ich nochmal zur Schule gegangen und habe mir nebenbei etwas dazu verdient.

 

Wie bist du an die Bar gekommen?

Nach meiner Ausbildung in der Chemie hieß es irgendwann: ab hinter die Bar. Da hat es mir dann gefallen. Zur Abwechslung konnte ich endlich trinken, was ich zusammen gemischt habe.

 

Welches Konzept steckt hinter deiner Bar?

Jedes Motel One hat ein eigenes Design-Thema, das Bezug auf den Standort des Hauses nehmen soll. Dies wird besonders oft an der Bar deutlich. Bei mir im Haus ist das Kölnisch Wasser 4711 die Inspiration. Licht- und Farbdesign sollen bei unseren Gästen Assoziationen zu diesem kölschen Klassiker wecken. Einmal an der Bar Platz genommen, erwartet unsere Besucher unter anderem eine Auswahl von über 50 Sorten Gin.

 

Was zeichnet einen guten Barchef deiner Meinung nach aus?

Ruhe ausstrahlen können und gute Menschenführung beherrschen – fördern und fordern. Vorbild sein und mit Leidenschaft inspirieren. Außerdem sind Wissensdurst und Demut meiner Meinung nach gute Eigenschaften, die man sich behalten sollte. Und die Bereitschaft, Gästen immer wieder etwas Neues zu präsentieren. Gewisse fachliche Kenntnisse sollten Vorausetzung sein, aber noch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Und natürlich, Gastgeber sein!

 

Dein schönstes Erlebnis hinter der Bar?

An einem Abend war eine Familie aus den Niederlanden bei uns – die Mutter hatte indonesische Wurzeln. Weil ich wusste, dass Pandan in Indonesien sehr beliebt ist, bot ich ihr einen Drink mit Bandoeng 22 an. Kurz gesagt: Ihr Mann schnappte sich die Kleinen und verschwand mit ihnen, während sie allein im Ohrensessel saß, das Glas in der Hand, ein Lächeln im Gesicht. Sie bestellte den Drink noch zweimal. Und jedes Mal passierte genau dasselbe.

 

Was rätst du jungen Bar-Mitarbeitern?

Seid neugierig, lernt, macht eure eigenen Erfahrungen und lasst euch nicht unterkriegen.

 

Was machst du, wenn du mal nicht hinter der Bar arbeitest?

Mit meiner Frau Serien inhalieren. Mit unserem Hund spazieren gehen und Bücher verschlingen.

 

Was isst und trinkst du am liebsten?

Ich habe nichts gegen ein gutes alkoholfreies Bier, aber Old Fashioneds und Sazeracs sind meine absolute Achillesferse. Brot, für gutes Brot würde ich sterben und natürlich... Mettbröttchen! Aber auch raffiniert zubereitete Salate sind geeignet, um mich zu ködern. Sushi! Tacos!

 

Welches ist dein Lieblingsland? Und warum?

Irland, von der Mentalität der Menschen her und natürlich die Landschaft.

 

Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen wollen?

Meine Frau, unsere Tiere und massig Bücher.

 

www.motel-one.com

 


Bio:

 

Geburtstag:            03.12.1976
Herkunftsland:    Deutschland
Ausbildungsort:   Köln

 

Bisherige Bartätigkeiten (Betriebe und Funktion):

- Biermuseum, Köln
- Hotel Ling Bao, Phantasialand, Brühl
- Shamrock Irish Pub, Passau
- Diverse Bundesliga Stadien, Business/VIP
- Diverse Konzerthallen, Logen/VIP
- Papa Madeo, Köln
- Moxy Flughafen Köln/Bonn, Köln

 

Die Chefin

Alex Bisanz

Alex, Du bist ja schon recht lange in der Wiener Gastronomioeszeneunterwegs, kannst Du uns kurz deinen Werdegang schildern? 

Alex Bisanz: Gerne, wobei „kurz“ schwierig ist, aber ich versuchs mal: 2005 bin ich als Quereinsteigerin in die Gastronomie gekommen – aus Geldnot, um ehrlich zu sein. 2007 hatte ich das Glück, ins Team der Bar Italia zu kommen, wo ich von Marco Pani das Mixen von Cocktails lernte. Wir arbeiteten später noch in verschiedenen Betrieben zusammen, darunter das Planter’s und On Market. Meine erste Barchef-Position hatte ich 2011/12 im Fux in Lech. 2013 wechselte ich in die Hammond Bar, an die ich besonders gute Erinnerungen habe, bevor ich Ende des Jahres den Barchefposten im X Club übernahm. 2015 ergab sich die Chance, als Bulleit Whiskey Brand Ambassador zu arbeiten – eine wilde, aufregende Zeit voller Projekte, für die ich 2018 den Mixology Award als Brand Ambassador of the Year erhielt. Mit Corona stieg ich bei Diageo aus und verwirklichte meinen Traum: meine eigene Agentur HEAD AND HEART. Seit 2022 betreue ich Marken und Betriebe in den Bereichen Consulting, Marketing und Kommunikation. So unterstütze ich beispielsweise Marcos Bar Pani oder bin gerade dabei X MUSE Vodka auf dem österreichischen Markt zu etablieren. Trotzdem stehe ich nach wie vor gerne hinter der Bar – sei es für Events, Masterclasses, Videos & Fotos oder Messeauftritte. Das Mixen bleibt eine große Leidenschaft!

 

Wie siehst Du den Wandel in der Österreichsichen Gastronomie, gibt es Veränderungen, die Dir auffallen?

AB: Seit 2007 hat sich vor allem in der Barszene viel verändert – und das meiste zum Positiven. Gäste sind heute deutlich bewusster und wissen genau, was sie wollen. Sie interessieren sich für die Vielfalt der Produkte und Cocktails und schöpfen gerne aus dem Vollen. Diese Entwicklung macht Freude zu beobachten!

 

Vor welchen Herausforderungen steht die Barwelt aktuell? 

AB: Die steigende Anzahl an hochwertigen Bars ist einerseits fantastisch, stellt aber auch eine Herausforderung dar – vor allem in Kombination mit den steigenden Preisen. Gäste müssen sich oft bewusst entscheiden, wo sie ihren Abend verbringen, da mehrere „nights out“ pro Woche nicht mehr für jeden leistbar sind. Bars müssen sich dieser Priorisierung stellen – und sie als Anreiz sehen, Gäste so gut zu betreuen, dass sie immer wiederkommen. 

 

Was rätst Du jungen Leuten, die in die Barszene gehen wollen, oder sogar eine eigene Bar eröffnen wollen?

AB: Wer in die Barszene einsteigen will, sollte sich über eines im Klaren sein: Es ist harte Arbeit. Ein disziplinierter Mindset und die oft fordernden Arbeitszeiten haben definitiv Einfluss auf das Privatleben. Man muss bereit sein, all-in zu gehen, wenn man in der Branche erfolgreich sein will. Und auch mal das eine oder andere Buch lesen, als sich nur aufs Internet zu verlassen! Wer eine eigene Bar eröffnen möchte, sollte sicherstellen, dass sowohl der Zeitpunkt als auch das Konzept stimmen. Eine Bar, die sich von der Masse abhebt, hat definitiv bessere Chancen. Wenn sich alles richtig anfühlt – go for it! Man sollte sich vorab aber schon die Frage stellen: Bin ich Unternehmer/in oder Showman/woman – oder vielleicht sogar beides? Und falls Unterstützung in Form von Consulting gebraucht wird, stehe ich gerne zur Verfügung. 

 

Was war Dein prägendstes Erlebnis in deiner Karriere im Bezug mit Bars?

AB: Hm, schwer zu sagen – es gab viele prägende Momente. Über die Jahre haben mich vor allem die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Gästen und Kollegen in meinem Umgang mit Menschen geprägt. Ein Erlebnis, an das ich gerne zurückdenke, war, als ich Cognac-Cocktails für eine Hip Hop Legende mixen durfte. DMX setzte sich zu mir an die Bar, ließ sich etwas kreieren und machte mir ein Kompliment, an das ich mich gerne erinnere.

 

Was macht für Dich eine gute Bar aus?

AB: Für mich steht und fällt eine Bar mit dem Team hinter der Bar. Herzlichkeit, Kompetenz und echter Gastgebergeist machen den Unterschied. Ich mag entspannte Atmosphäre und simple Drinks, die aber perfekt auf den Punkt gemixt sind. 

 

Wenn Du ein Drink, oder eine Spirituose wärst, was wärst Du?

AB: Puh, was für eine Frage! Vor ein paar Jahren hätte ich ohne zu zögern 'Whiskey' gesagt. Heute bin ich da deutlich breiter aufgestellt. Wenn ich jedoch ein Drink wäre, dann definitiv ein Sour – ausgewogen, simpel und dennoch vielseitig! Die Basisspirituose und Aufmachung dürfen ruhig variieren, ganz wie in meinem alltäglichen Leben...